Der Herbst ist da. Und damit nehmen die Corona-Fallzahlen zumindest auf der nördlichen Erdhalbkugel wieder zu. Gleichzeitig zeigt sich, dass eine zügige Wirtschaftserholung nicht in Stein gemeisselt ist. Auch als Folge davon agiert die Börse zunehmend nervös. Sinnbildlich hierfür ist die Korrektur bei den US-Techaktien: Der  Nasdaq 100verlor in den letzten vier Wochen 9 Prozent. Der Schweizer Leitindex SMI hält sich mit knapp minus 3 Prozent noch relativ gut.

Die Corona-Krise hat seit deren Beginn auch bei Vontobel Asset Management zu einer höheren Umschichtung geführt, wie Marc Hänni, Leiter Aktien Schweiz, imcash-Börsen-Talk  sagt. Anfang Jahr betraf dies hauptsächlich Unternehmen mit einem grossen Standbein in China, deren Bestandteile im Portfolio reduziert wurden. Aktuell haben auch Indexänderungen zu Konsequenzen. Die kürzliche Aufnahme vonPartners Groupin denSMIführte dazu, dass Umschichtungen im Mid- und Small-Cap-Bereich im Umfang von 400 Millionen Franken stattfanden.

Visibilität für die nächsten Quartale fehlt

Was der Börsenexperte feststellt, ist die fehlende Visibilität hinsichtlich der Unternehmensentwicklung für die nächsten zwei bis drei Quartale: "Es will sich praktisch kein Unternehmen aus dem Fenster lehnen." Dies sei eine spannende, aber auch herausfordernde Ausgangslage.

Die Zurückhaltung der Unternehmen kommt vermutlich nicht von ungefähr: Die Wirtschaft steckt technisch gesehen noch in einer Rezession. Trotzdem rechnet Hänni mit einer kontinuierlichen Verbesserung der Wirtschaftslage. Dazu kommt: "Ohne die Unterstützung mittels Staatshilfen und auch der Notenbanken würde die ganze Wirtschafts- und die Börsenlage vermutlich ganz anders aussehen."

Bezüglich der Perspektive der Schweizer Börse bis Ende Jahr ist der Experte vorsichtig: "Es ist sicher schon einiges vorweggenommen." Zudem würde auf die Schweiz und die Welt schwierige Zeiten zukommen – Stichwort zweite Corona-Welle. Auch seien die US-Präsidentschaftswahlen und die daraus folgenden Unsicherheiten von den Märkten noch nicht genügend berücksichtigt worden.

Zurückhaltende Investoren

Sieht die Lage so düster aus? "Viele Investoren sind in der Liquidität und warten auf einen Rückschlag." Immer wieder ist in den vergangenen Monaten davon gesprochen worden, dass Grossinvestoren die Rally etwas verpasst haben oder aus Vorsicht mit Investitionen zuwarten.

Wie Bloomberg diese Woche berichtete, verkaufen auch Top-Manager von grossen US-Konzernen derzeit viel mehr Aktien des eigenen Unternehmens, als dass sie zukaufen. Auch sehr reiche Privatinvestoren meiden vermehrt den Aktienmarkt, weil ihnen die Kursentwicklungen unheimlich sind.

 

Kein «Buy the Dip» - Chefs von US-Grosskonzernen verkaufen eigene Firmen-Aktien wie selten zuvorhttps://t.co/BMAtgnxcXv pic.twitter.com/Igd1e2dCiB

— cash (@cashch)September 24, 2020

 

Die eher unsichere Marktlage bedeutet jedoch nicht, dass es in den kommenden Monaten keine Chancen für Zukäufe gibt. Unternehmen mit globaler Marktführerschaft, hoher Innovationskraft und gesunden Bilanzen bieten sich zum Investieren weiter an.

Eine Reihe von Aktien eignet sich weiter für Zukäufe oder Aufstockungen. Auf derSMI -Seite sind dies nach Hännis Beurteilung der SanitärherstellerGeberit , der ChemiekonzernSika , der PharmazuliefererLonza , der PharmakonzernRoche , und auch der LebensversichererSwiss Life . Dazu kommt der IndustriekonzernABBals zyklischer Titel.

Vorsicht bei Grossbanken

Bei Mid- und Small-Caps empfiehlt Hänni die  IndustriegruppeBelimo , das KreditinstitutCembra Money Bank , das ImmobilienunternehmenPSPSwiss Property und den MaschinenbauerInterroll . Er sieht aber auch Potential bei Nahrungsmittelherstellern wie dem Milchkonzern  Emmiund dem Schokoladenproduzenten  Lindt & Sprüngli .

Hinsichtlich der beiden GrossbankenCredit SuisseundUBSist Hänni hingegen kritisch. "Hier wurde Aktionärswert schon über einen längeren Zeitraum vernichtet". Zudem gehören beide Grossbanken im Investment Banking und dem Asset Management nicht zu den globalen Playern. Und mögliche Fusionen über Landesgrenzen hinweg seien schon aus regulatorischen Gründen immer schwierig, kommentiert Marc Hänni die aktuellen Fusionsgerüchte bei der UBS.

Ist der SMI-Neuling  Partners Grouptrotz seines hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisses interessant? Und welche im Tourismus tätigen Schweizer Unternehmen könnten für einen Erholungstrade in Frage kommen? Auch diese Fragen beantwortet Marc Hänni im cash-Börsen-Talk.

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